Durch die pommerschen Wälder – Auf den Spuren der „Kleinbahn Köslin-Natzlaff AG“ oder der späteren Koszalinska Kolej Waskotorowa.

Wenn es im ehemaligen Pommern noch eine Schmalspurbahn gibt welche noch weitgehendes Kleinbahnflair bietet, dann ist es die Koszalinska Kolej Waskotorowa – die Koszaliner Schmalspurbahn.

Aber nicht so schnell. Erst einige Worte zur Geschichte. Am 1. November 1898 eröffnete die „Kleinbahn Koslin-Natzlaff AG“ ihre erste Strecke von Köslin (Koszalin) über Manow (Manowo) nach Natzlaff (Naclaw) in einer Spurweite von 750 mm. Später kamen noch die Strecken von Manow (Manowo) über Schwellin (Swielino) nach Bublitz (Bobolice) und von Schwellin (Swielino) nach Belgard (Bialogard) sowie von dort nach Rarfin (Rarwino) gebaut. Die Kleinbahnen firmierten dann unter dem Namen „Vereinigte Kleinbahnender Kreise Köslin, Bublitz, Belgard AG“.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Strecken wiederaufgebaut und in den beginnenden fünfziger Jahren auf 1000 mm umgebaut. Die PKP schaffte mit dieser Umspurung und den Gleisdreieck bei Lepino die Verbindung zu den anderen 1000 mm Schmalspurbahnen in Pommern. Damit entstand ein großes und leistungsfähiges Netz von Schmalspurbahnen. Die Koszalinska Kolej Waskotorowa war neben der Versorgung der Dörfer ihres Einzugsgebietes insbesondere für die Versorgung des Militärflugplatzes in Kurozwecz (Kursewanz) verantwortlich. Ein Großteil des Flugzeugbenzins wurde mit speziellen Kesselwagen dorthin befördert. Auch das Heizhaus der Militärsiedlung Rosnowo (Roßnow) wurde mit Kohle versorgt. Diese beiden Anschließer sorgten auch dafür, dass die Strecke Koszalin – Swielino noch bis zur Gesamtstillegung aller bei der PKP noch betriebenen Schmalspurstrecken im September 2001 betrieben wurde.

Danach wurde es relativ ruhig um diese Strecke. Obwohl immer mal wieder Gerüchte um die Reaktivierung der Schmalspurbahn die Runde machten verfielen die Gebäude, Fahrzeuge und nicht zuletzt die Strecke immer mehr. Im Wald zwischen Manowo und Rosnowo und an der weiterführenden Strecke nach Swielino stahlen Schrottdiebe hunderte Meter Gleis. Aus meiner Sicht war die Strecke damit schon abgeschrieben und die noch funktionsfähigen Fahrzeuge wurden verkauft.

Doch manchmal geschehen Wunder. 2005 gründete sich Towarzystwo Koszalinskiej Kolej Waskotorowej (TKKW – Verein der Kösliner Schmalspurbahn) und begann im Jahr 2007 mit der praktischen Reaktivierung der Strecke in Richtung Manowo. Da keine einsatzfähigen Fahrzeuge vorhanden waren wurde 2008 der MBxd2 307 aus Dobra Nowogardzie von der nicht mehr betriebenen Stargadzki Kolej Waskotorowa (Stargarder Schmalspurbahn) beschafft. Im Laufe der Zeit wurden 3 Lxd2 und zwei MBxd2 beschafft sowie verschiedenen andere Fahrzeuge aufgearbeitet.

Die ersten Fahrten erfolgten sehr zum Staunen der Öffentlichkeit bereits im August 2008 auf denm Streckenstück bis Bonin. 2009 wurde der touristische Verkehr bis Manowo aufgenommen und ab 2010 begannen die Aktiven der TKKW mit dem Wiederaufbau der Strecke zwischen Manowo und Rosnowo. Die Besonderheit war und ist, dass der Bau weitgehend in Handarbeit entsprechend den Techniken um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erfolgte.

Am 26. Juni 2016 erreiche erstmal nach 15 Jahren ein planmäßiger Zug Rosnowo und seit dieser Zeit wird im Sommer immer am Wochenende zum See nach Rosnowo gefahren.

Jüngstes Projekt ist die Aufarbeitung der Px 48 3901.

Doch damit genug der Geschichte. Am 12. Oktober 2019 bestand für mich und andere Eisenbahnfreunde die Möglichkeit die Strecke mit einem Fotozug bestehend aus Lxd2 375 (leider ohne Beschilderung), einem Bxhip und einem alten meterspurigem Zugbegleiterwagen zu bereisen. Dabei entstanden trotz regnerischem Herbstwetter eine Vielzahl von Aufnahmen in einer weitgehend authentischen Umgebung im Stile der achziger Jahre des letzten Jahrhunderts

Die Fotoreportage soll die Schmalspurfreunde unserer Arge-S daran teilhaben lassen.

Ulrich Thorhauer

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